Gestern wachen wir ungewohnt gerade auf. Regnen tut es auch nicht. Nachdem die kurze Phase der Verwunderung rum ist freuen wir uns angemessen. Auf dem Reiseplan steh für heute “Fjorde”. Auch nach einer kurzen Morgenbesprechung ist uns nicht vollends klar was das konkret für uns heißt.

Aus Verlegenheit unternehmen wir auf dem Weg zum nächsten Fjord noch eine kleine Wanderung. Diese wird ein wenig länger als gedacht da dee Gletscher ruft und wir diesem natürlich nur schwer widerstehen können. Somit nähern wir uns diesem in dem Ausmaß das unsere alpinen Fähigkeiten und unser Proviant hergeben. Wir sind erneut entzückt von der Natur und bereuen die Erweiterung der Tour kein bisschen.

Die Troll-Ausbeute ist weiterhin mau.

Anschließend fahren wir dann wie geheißen zum nächsten Fjord und diesen entlang. Durch 5 verschiedene Wetter auf 3,2 km. Im Fahren bewundern wir die Natur und wissen nun, warum es der Fjord-Tag in die Reiseplanung geschafft hat.

Als nächster Punkt steht der Rallarvegen an. Für sinnvolle Informationen hierzu verweise ich auf den Beitrag meines Bloggbetreibers vom 21.06.2014 (https://luximator.de/2014/06/).
Als wir in Flåm, dem Ausgabgspunkt, ankommen stellen wir jedoch leider fest, dass das losradeln und einfach in den Zug hüpfen um zurück zum Auto zu kommen gar nicht mal so einfach und flexibel ist wenn alles ausgebucht ist. Wir tüfteln bei Kerzenlicht an einem Masterplan und letztlich nimmt er Form an: Am nächsten Morgen breche ich von Flåm mit dem Rad auf, die Kathrin fährt den Camper nach Voss und wir verabreden uns in Mydral wenn die Sonne im 2. Steinbock Aszendent Zwitter steht. Ab dann wollen wir gemeinsam mit einer Übernachtung bis Geilo radeln. Nicht weil der Rallarvegen dort endet sondern weil es ein unfassbar witziger Ortsname ist und wir Fotos mit dem Ortsschild machen wollen.

Die Kerze haben wir lediglich für die Dramatik der Szene angezündet, denn selbstverständlich ist es weiterhin immer hell (Möglicherweise gibt es eine dunkle Stunde in der Nacht doch bislang haben wir sie nicht gefunden).

Beim Losfahren winke ich mit meinem Taschentuch. Wenige Kilometer später treffen wir jedoch nach meiner Klopase am Bahnhof in Flåm bereits versehentlich wieder aufeinander was den Møment retrospektiv ein wenig schwächt. Auf dem Weg nach Myrdal werde ich wieder mal von der Realität eingeholt, die deutlich schneller als ich zu sein scheint, zumindest was Passstraßen betrifft…

Während ich mir Anfangs noch denke wie schwer schon ein Kilometer starke Steigung sein kann lautet die Antwort sehr schnell “brutal”. Der Plan alle 3 Haarnadelkurven zu stoppen entpuppt sich nach den ersten 3 Kurven als absoluter Witz und ab dann liegt mein gesamter Fokus nur noch darauf, nicht gerade dann die Füße auf dem Boden zu haben wenn mir wieder ein anerkennend nickender Rallarvegen-Reisender sein Fahrrad entgegen bergab SCHIEBT! Diese faulen Lümmel sollen meinen Kampf natürlich nicht sehen und um meine Fahrt mit Leichtigkeit zu untermauern fange ich an lässig nebenher zu rauchen.


In Mydral angekommen muss ich mich leider doch auf den Zugfahrplan verlassen denn die Sonne ist mal wieder nicht erkennbar. Das Treffen gelingt dennoch und unser gemeinsamer Radweg beginnt. Nach 250m müssen wir nochmals umdrehen weil ich uns verfahren habe aber danach läuft es wie am Schnürchen.

Es geht über Schotter auf und ab durch die wunderschöne Hardangervidda. Mehr auf als ab. Wir mühen uns hoch bis über 1300m. Es wird weißer und es kommen wubderschöne Seen mit Eisschollem zum Vorschein.

Am höchsten Punkt lässt sich pünktlich die Sonne blicken und es gibt eine verdiente Pause. Die Kathrin zaubert neben nem Passhöhen-Schnaps auch noch unser letztes Bier hervor. Wir spielen ein bisschen Cabo, und die Höhe scheint meine Spielfähigkeiten deutlich zu verbessern.

Danach folgt ein bisschen Abfahrt  nach Finse. Damit das Abenteuer nicht zu kurz kommt durchqueren wir heldenhaft noch einige Schneefelder bis wir in Finse ankommen, ein Ort,  der genau aus einem Bahnhof und einem Hotel zu bestehen scheint. Beides aber sehr empfehlenswerte Orte! Bahnhöfe können sie, die Norweger.

Wir verweilen in der Sonne und dann geht es noch ein paar Meter weiter bis wir einen geeigneten Schlafplatz finden und unser (eigtl. nicht unser sondern Lukas) Zelt aufschlagen. Dies gelingt problemlos nach einer kurzen Anleitung per Videocall. Nachdem wir so ziemlich alles aufgegessen haben was nicht bei 3 aufm Baum ist schlafen wir ein.

Wir beginnen unseren neuen Tag mit einem Bad im eiskalten See. Die Kathrin weil sie Lust drauf hat. Ich, weil ich wie immer krass FOMO habe. Gut tut es uns beiden. Kathrins Knie ist von ihrem Konzept alle positiven Höhenmeter am ersten Tag zu radeln leider ein bisschen weniger überzeugt als sie. Ihr Plan es bis Haugastol bzw. Geilo einfach nur noch rollen zu lassen und gar nicht zu treten gelingt fast. Wir treffen wieder jede Menge Radler die in die entgegengesetzte Richtung- die einfache Richtung wie allseits bekannt sein sollte- unterwegs sind. Es präsentiert sich eine erstaunliche Vielfalt von wagemutigen Familien mit Kleinkindern bis zu definitiv unterausgestatteten Leihradlern. Es wirs grüner und wärmer.

Fröhlich Rollen wir weiter nach Haugastol wo noch weniger los ist als in Finse. Dies führt zu bitterer Enttäuschung bei der Kathrin, ich hatte wohl überambitioniert die Party-Tour versprochen. Wir kehren ins nächste Café ein, dass dummerweise auf einem Hügel liegt. Deshalb fällt der Carbload extra groß aus!

Der Kaffee kann nix aber weil es free Refills gibt nehme ich mir noch nen halben Liter für unterwegs mit.

Auf der weiteren Abfahrt nach Geilo wird die Kathrin 2 mal geblitzt während ich adäquat abbremse.

Geilo enttäuscht primär mal durch sein fehlendes Ortsschild. Wir suchen uns frustriert einen schönen Platz am Fluss und spielen stundenlang Cabo denn bis unser Zug kommen soll haben wir noch 4.5 Stunden. Das ganze mündet in einem netten Daydrinking Event da es einen Supermarkt ums Eck gibt. Glücklich machen wir uns schließlich auf zum Bahnhof wo wir mit dem ersehnten “Geilo-Schild” für unsere 2tägigen Strapazen belohnt werden.

Die mangelnde Begeisterung der restlichen Reisenden können wir nicht nachempfinden.

Nachdem bereits der Bahnhof in Finse 5/5 Seesternen bekommem hat muss man Geilo 6/5 geben. Schönstes Bahnhofsklo der Welt!!!

Leider entgeht der Kathrin dieses Vergnügen denn aus mir unerfindlichen Gründen muss sie nur ca alle 32h aufs Klo.

Kurz nach dem Ende des Shootings erfahren wir, dass unser Zug zurück entlang des Rallarvegen ausfällt. Noch während wir die Beschwerdemail verfassen kommt ein Ersatzbus den wir wütend schimpfend besteigen. Schließlich sind wir als alte Zugfans maßlos enttäuscht (“deeply devastated” steht in unserer Mail).

Nur ungern geben wir zu, dass die Busfahrt entlang der Hochebene, dann eine Schlucht hinunter, über eine grandiose Brücke, durch Kreisverkehre in Tunneln und schließlich am Fjord entlang alle unsere Erwartungen übertrifft und verlassen weiterhin schimpfend den Bus in Voss. Deutsche Leitkultur will gepflegt werden,  auch im Ausland.

Der Camper wurde nicht abgeschleppt. Wir folgen dem Geheimtipp den die Kathrin auf ihrer Zugfahrt bekommen hat und nächtigen bei einem Skydiving Center an dem es nicht nur Duschen sondern auch noch eine Sauna gibt. Beides nutzen wir natürlich erst nachdem wir uns jeder ne Packung Tortellini reingepfiffen haben. Unser Vorratskauf in Deutschland leistet nämlich bislang hervorragende Arbeit.

Erschöpft und glücklich gehen wir beide ins Bett. Zwischen uns liegt das kleine Modell der Eisenbahn die wir als Entschädigung für den ausgefallenen Zug erhalten haben.