Die Sauna gestern war ein Kracher. Nach anfänglichen problemen bei der Überfahrt lief es danach wie am Schnürchen.

Heute wollten wir dann zum Frühstück radeln. Doch “größtenteils flach” als Streckenbeschreibung scheint einen gewissen Interpretationsspielraum offen zu lassen und während ich nach dem ersten kleinen Anstieg noch optimistisch verkünde, das wäre es dann wohl mit den Höhenmetern bis zum Frühstück werden wir auf den folgenden 32km noch ca 14 mal eines besseren belehrt. Unser norwegisch verbessert sich analog zur Steigung. “Lia” heisst sicherlich Lüge.

Die Höhenmeter lassen sich leider rückblickend nicht mehr eruieren denn während Google weiterhin von flachen 200m ausgeht übertreibt Kathrins sehr freundliche Sportuhr mit über 800m Anstieg leider so maßlos, dass wir es nicht glauben können, egal wie sehr wir das wollen. Mein angehaltenes Tracking ist leider einer Merinoshirt Anprobe zum Opfer gefallen und war dann gelöscht. So oder so hatten wir ein fantastisches Frühstück mit Zimtschnecke. Egal für wie viel Anstieg.

Danach trennen sich unsere Wege vorerst denn introvertierte Menschen wie wir brauchen auch mal me-time. Um auf Nummer sicher zu gehen fahren wir in genau entgegengesetzte Richtungen. Die Kathrin zurück zum Camper und ich die Straße 55 entlang Richtung Fjord. Nachdem ich permanent flussaufwärts fahre aber letztendlich ja Richtung Fjord möchte misstraue ich kurz meinem eigentlich unschlagbaren Orientierungsvermögen und checke gegen. Doch die Sonne steht tatsächlich vor mir, es geht also Richtung Westen.

Während ich anfangs noch gut voran komme weiss ich bald warum ich flussaufwärts fahre denn es liegen noch sakrisch viele Höhenmeter vor mir und der Fluss hat folglich noch unfassbar viel Zeit seine Richtung zu ändern.

Es sind wenig Radler unterwegs. Mir entgegen kommt ein 4er Trupp und nachdem ich erst freundlich grüße rufe ich ihnen anschließend verächtlich “pfffft….Windschatten” hinterher und verdrücke heimlich eine Träne. Hinter jeder Haarnadelkurve versteckt sich wieder ein Anstieg und ich kämpfe. Aber wie so oft macht sich die Mühe letztlich bezahlt denn die Aussicht ist atemberaubend.

Am höchsten Punkt des Sognefjellet flüchte ich pünktlich wieder als ein Reisebus hält und sehr viele Litauen ausspuckt.

Schnell werde ich von dem Irrglauben bekehrt, es gehe jetzt nur noch bergab und racker mich immer wieder ein paar Meter hoch. Letztendlich geht es dann doch in die rasante Abfahrt und der Radltag endet mit brennenden Beinen in Skjolden am Fjord.

Dort treffe ich nach ner kurzen Pause und etwas interkulturellem Austausch mit 3 Tirolern die Kathrin wieder die mir wie mein Messias Chips und ne Fanta entgegenstreckt.

Am Campingplatz angekommen denken wir uns so ne richtige Dusche sei heute wahrlich kein Luxus. In diesem Vorhaben werden wir von der eifrig nickenden Fliegenfamilie die uns seit Tagen begleitet enthusiastisch bestärkt. Weil ich k.o.er bin und mehr geschwitzt habe bekomme ich sogar 2 Duschmünzen. Weil ich ein Fuchs bin spare ich mir aber eine auf um mir morgen ein Eis zu kaufen. Prioritäten sind wichtig.

Mit Brotzeit, Aperol und Cabo geht ein weiterer wunderbarer Tag zu Ende. Heute sogar mit richtig viel Sonne.